Von der Mission in die Unterwerfung?

 

Man versteht als Katholik seine eigene Kirche nicht mehr. Wo früher der Auftrag zur "Mission" herrschte, waltet nun der Wille zur Unterwerfung: Hochrangige Kirchenvertreter dienen sich nicht nur einer dem Christentum grundsätzlich hostil gegenüberstehenden morgendländischen Glaubensrichtung an, sondern lassen sich auch von den Verwirrungen erfassen, die der abendländische Zeitgeist mit sich bringt, wenn er immer öfter aus der falschen Richtung weht. 

 

Man will sich als Laie ja nicht aufschwingen und den Kirchenfürsten einen fundamentalen Satz des Katholizismus erklären, aber die Bibel darf man zitieren: "Drum geht hinaus zu allen Völkern und macht die Menschen zu meinen Jüngern, tauft sie auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei Euch bis zum Ende der Welt" (Matthäus, 28, 16-20) Dieser Kernsatz des katholischen Christentums, der Mission und Taufe begründet, war fast 2000 Jahre lang gültig, er scheint aber jetzt ganz anderen und inkonsistenten Leitsätzen gewichen zu sein.

 

Bischöfe ohne Kreuz

Sinnbilder dieses den nachdenkenden Christen letztlich vor den Kopf stoßenden Sinneswandels in der katholischen Kirche sind deutsche Kardinäle, die bei einem Jerusalembesuch ihr Kreuz nicht mehr offen tragen, ein Papst, der zu Ostern rituelle Fusswaschungen an orientalischen Migranten durchführt und nicht zuletzt auch verhüllte Statuen in Rom, wenn dort der iranische Präsident zum Staatsbesuch vorbeikommt. 

 

Fragt man bei den offiziellen Vertretern der Kirche nach, wohin da eigentlich die Reise geht, erhält man merkwürdig ausweichende und beschwichtigende Antworten: Von der Bergpredigt wird da erzählt, von der Verpflichtung, den Frieden zu erhalten, von der Abrahamitischen Ökumene oder vom grundsätzlichen christlichen Respekt jedem  Menschen gegenüber, egal welchen Glauben er hat. Ja, eh.

 

Widerstandslos in die Unterwerfung?

Aber ist jetzt deswegen jeder Christ zur schweigenden Unterwerfung verpflichtet, nur weil seine Hirten eine auch in der (west-)europäischen Politik überall zu beobachtende allzu biegsame und geradezu servile Haltung in der Migrationsfrage angenommen haben? Oder ist man als Christ nicht eher dazu verpflichtet, in seiner dem Christentum so wichtigen Eigenschaft der Personalität mit dem eigenem und individuellen Geist scharf nachzudenken, was denn da warum läuft und seine Kritik dazu zu äußern?

 

Der Osten ist anders

Interessanterweise gibt es von den katholischen Würdenträgern im Osten Europas ganz andere Aussagen zu den brennenden Problemen unserer Zeit als jene, die wir speziell im deutschsprachigen Raum und aus dem Vatikan hören. Die Bischöfe im Osten scheinen noch nicht vergessen zu haben, dass Katholizismus nicht automatisch Anbiederung und widerstandslose Aufgabe der eigenen Kultur bedeutet und sie sehen die Gefahr, die von einem Missbrauchs des Begriffes der "Barmherzigkeit" ausgeht. Der tschechische Kardinal Duka warnte etwa 2016 vor der "unvernünftigen Aufnahme von Migranten". Und der ungarische Bischof Kiss-Rigo meinte schon 2015 zum Beginn der Migrationskrise: "Das sind keine Flüchtlinge. Das ist eine Invasion." 

 

Der Missbrauch der Begriffe

Die Begriffe "Barmherzigkeit" und "Menschlichkeit" sind überhaupt zu den europäischen Debattenkiller-Slogans verkommen. Sie ersticken durch ihren massenhaften Gebrauch die Vernunft und sie machen viele Menschen blind für das, was wirklich läuft. Man kann es nicht oft genug wiederholen: Es sich in vieler Hinsicht und immer wieder um einen klaren Missbrauch dieser Worte, weil sie weder eine allgemein gültige religiöse noch eine politische Handlungsanleitung sein können.

 

Barmherzig kann man nur in Einzelfällen handeln, von Person zu Person.  Und die Barmherzigkeit steht nur jenen zu, die sie wirklich brauchen. Alles andere, jede Überdehnung, jede oktroyierte Dauerverwendung des Begriffs wird zur Karikatur der Barmherzigkeit - und sie wendet sich schließlich gegen jene, die sie ständig im Mund führen.

 

Man kann diese Tugenden daher nicht als allgemein gültige politische Maxime einfordern, wie dies viele katholische Würdenträger und caritative christliche Organisationen immer wieder tun - das ist eine im Grunde anmaßende Einmengung in alle Lösungsversuche heikler politischer Probleme. Für die Bewältigung dieser Angelegenheiten steht der Rechtsstaat mit seinen Einrichtungen zur Verfügung. 

 

Barmherzigkeit statt Mission?

Die Ersetzung des Missionsgedankens durch den Auftrag zur ständigen Menschlichkeit und Barmherzigkeit führt am Ende zu Zuständen, die kein Jesus und kein Petrus jemals toleriert oder gar gutgeheissen hätten: Man muss sich nicht um jeden Preis und widerstandslos von vornherein unterordnen. Die katholische Selbstaufgabe zugunsten einer "anbefohlenen" Barmherzigkeit und Unterwürfigkeit  unter gleichzeitiger Missachtung des oben zitierten Matthäus-Wortes zur Mission kann daher nicht die Zukunft des Katholizismus sein.

 

Der Zeitgeist und der Katholizismus

Nachdenken muss man auch über die schwachen Widerstände, die seitens der Katholiken den zeitgeistigen Verirrungen wie "Ehe für alle" und "Homo-Adoption" entgegengebracht werden. Statt klarer, mächtiger Worte der Bischöfe gibt es nur einzelne Äusserungen der Missbilligung von einigen wenigen standfesten Würdenträgern. Auch hier steht zu befürchten, dass am Ende die Unterwerfung statt die Erfüllung des Missionsauftrags herandräut. Rom, du hast ein echtes Problem!

 

Quelle:  https://www.thedailyfranz.at/2017/09/01/von-der-mission-in-die-unterwerfung/